Kennt jemand die Blog-Top-Liste Deutsche Blogcharts? Im Blog der DBC-Top-Liste (DBC-Blog) gab es unter anderem folgendes zu lesen am 27.6.2007:
Eine weiteres Problem, das mir in dieser Woche das Leben erschwert hat, ist eine Kettenbriefaktion. Im Blog “probloggerworld” wurde eine Aktion gestartet, in der dazu aufgerufen wurde, etwas zum Thema “Wie bist Du zum Bloggen gekommen?” zu schreiben. So weit, so gut. Das Problem an der Sache: Eine – völlig überflüssige – Teilnahme-Voraussetzung war, einen Blog-Eintrag in sein eigenes Blog zu setzen, in dem alle anderen teilnehmenden Blogs verlinkt werden – das sah dann in etwa so aus. Da sich die meisten der Teilnehmer daran hielten, bekamen alle Blogs, die dabei waren, ca. 45 automatische Verlinkungen. Über die Gründe dieser Teilnahme-Voraussetzung braucht man nicht zu mutmaßen, der Autor des Blogs “probloggerworld” schreibt sie offen auf: “Weiterer Grund ist, daß hierdurch auch automatisch ein wenig Link-Love verteilt wird. Je mehr Blogs teilnehmen, desto größer die Kommunikation als auch die Anzahl der Backlinks, die man erhält. Nehmen 35 Personen teil, erhält man 34 Backlinks. Schöner und besser kann man also Zeit für ein Posting nicht investieren.” Für die deutschen blogcharts gilt ganz klar: Automatische Verlinkungen, die durch diese Kettenbrief-Aktion zustande gekommen sind, gehen nicht in die Wertung, sondern werden von mir von der jeweiligen Technorati-”Authority” abgezogen. Die populärsten Blogs, bei denen das geschieht, sind “probloggerworld” selbst und “Prinzzess’ Allerlei“. Diese Maßnahme richtet sich nicht gegen die Aktion selbst, sondern ausschließlich gegen das automatische Verlinken aller Teilnehmer in allen Blogs.
Kettenbriefaktion?
Offensichtlich beißt sich da irgend jemand an irgend etwas, sonst wäre in dem DBC-Blog-Posting aus dem Blog-Projekt Wie bist Du zum Bloggen gekommen? keine sogenannte Kettenbriefaktion geworden. Zunächst einmal weiß ich nicht, was Jens, der das Posting erstellt hat, darunter versteht, doch eine Schmeichelei war und wird es gewiß nicht sein. Jedenfalls sehe ich in meinen Teilnahme-Voraussetzungen (Zitat des DBC-Postings: „völlig überflüssige Teilnahme-Voraussetzung“) für mein Blog-Projekt nichts Verwerfliches, zumal auch nur ein Teil aus den Projekt-Teilnahme-Voraussetzungen zitiert worden ist. Unter Blog-Projekt: Wie bist Du zum Bloggen gekommen? heißt es nach Punkt 3 der Voraussetzungen zur Begründung:
[…] Punkt 3: Nachdem ich die Liste aller teilnehmenden Beiträge hier auf ProBloggerWorld gepostet habe, schreibt ihr einen Beitrag auf eurem teilnehmenden Blog, der sämtliche Links der Liste enthält (DoFollow-Modus). […]
Gerade Punkt 3 ist mir wichtig. Auf diese Weise teilen die Blogger ihre Erfahrungen zum Thema-Blog-Einstieg und der Austausch der Blogger untereinander wird gefördert, weil nahezu jeder die Links zu den Artikeln durchgehen und für einen persönlich neue, interessante Blogs kennenlernen wird. Nur zum Link-Abstauben soll das Projekt nicht taugen.
Weiterer Grund ist, daß hierdurch auch automatisch ein wenig Link-Love verteilt wird. Je mehr Blogs teilnehmen, desto größer die Kommunikation als auch die Anzahl der Backlinks, die man erhält. Nehmen 35 Personen teil, erhält man 34 Backlinks. Schöner und besser kann man also Zeit für ein Posting nicht investieren.
Meine Technorati-Authority: 239 (28.6.2007, 8:00 Uhr)
Was mir bislang nicht bewußt war ist der Umstand, daß die Top-Liste Deutsche Blogcharts im Hintergrund nachbearbeitet wird bzw. die Plazierungen gerade nicht alleine auf Technorati-Ergebnissen fußen, vgl. FAQ zu DBC. Das ging bislang nicht aus den FAQ hervor. Transparent und fair finde ich solche Vorgänge nicht wirklich. Regeln sollten vor der Veranstaltung feststehen und nicht nachträglich aus Gutdünken geändert werden. Umgekehrt wußte ich auch nicht, daß ich bereits an die Haustüre der Top-Liste geklopft hatte, sonst wäre ich mit Probloggerworld erst gar nicht in die Gunst der Beobachtung gelangt.
Bloggen ist kein Technorati-Betrug
Bei meinen Blog-Projekten ging und geht es alleine darum, daß jeder teilnehmende Blogger die Chance auf größtmögliche Vernetzung in der Community haben soll. Den Begriff Vernetzung nehme ich hierbei auch wörtlich, das heißt, daß Links hierzu vonnöten sind: ohne Links keine Vernetzung. Für meine Blog-Projekte war mir ein Verfahren wichtig, sämtliche Blogs in Sachen Vorteilen nahezu gleichzustellen.
Um mit dem „Der will ja nur Links abstauben, dieser Lümmel!“-Argument einmal zu brechen
Aufbau und Auswertung des Projekts haben mich insgesamt ca. 20 reine Arbeitsstunden gekostet. Nach Ankündigung des Projekts kamen innerhalb weniger Tage ungefähr 30 Backlinks reingeflogen. Ich hätte damit fürs erste meine Linkbait-Arbeit getan, wäre ich ein kaltschnäuziger Linkbaiter. Doch genau darum ging es nicht und wird es auch nicht gehen, daß ich nur die für mich abfallenden Links sehe, sondern umgekehrt das Projekt von Anbeginn an derart gestalte, daß Backlinks zwar ein Teilnehme-Anreiz bilden, jedoch gleichzeitig auch abschreckend wirken sollten. Im gewissen Sinne ist das wie eine Schuluniform. Statt sich auf Markenklamotten usf. zu fixieren, treten somit andere Dinge in den Vordergrund.
Link-Love: Links verschenken, um welche zu erhalten
Linkbaitern ist es doch gerade zu eigen, daß sie sich lieber Links holen, als selbst welche zu vergeben. Ich verschenke Links, wie und wo es nur geht. Sämtliche Links stehen auf DoFollow bzw. No-NoFollow, gerade im Kommentarbereich, so daß ich mit jedem Backlink und Kommentar Link-Love bewußt teile. Wer also teilnimmt an einem Blog-Projekt, kassiert zwar auch Links, doch muß er auch – im positiven – welche vergeben. So gesehen geht es gar nicht mehr um die Links, sondern nur noch um den Inhalt des Projekts selbst.
Und um ehrlich zu sein, habe ich sogar Mühe, sämtliche Links und damit Beiträge im Blog unterzubringen, die ich gerne verschenken möchte, denn ich habe so viele Rezensionen und Artikel auf Blogs mit aus meiner Sicht guten Beiträgen, die ich gerne vergeben möchte, doch angesichts der täglichen Posting-Grenze auf Probloggerworld (noch) nicht zum Zuge gekommen sind.
Begeisterte Reaktionen auf das Blog-Projekt: Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
Ich habe viele Emails begeisterter und dankender Teilnehmer viele Tage nach Ende des Projekts erhalten, die mir von ihrem individuellen Erfolg des Projekts berichteten, so daß ich wirklich innerlich sehr gerührt war. Genau darum aber ging es mir, daß etwas Positives, Konstruktives angestoßen werde, was den Teilnehmern viel Spaß und Nutzen bringt über die Zeit weit nach dem Ende des Projektes hinaus, und mich überwiegend die Verwaltungsarbeit erledigen läßt.
Niemand hatte sich bei mir für die Links bedankt, sondern um das Gesamtpaket. Wer Links will, muß welche geben. Und nur wer auch bereit ist, zunächst einmal etwas zu geben, der hilft auch anderen weiter. Manche Dinge lassen sich nun einmal nur in Gruppenarbeit umsetzen.
Prügel prasseln über mir nieder
Daß ich in der Blogosphäre Prügel beziehe aus welchem Grunde von wem auch immer usf. zeugt zunächst einmal davon, daß man kontroverser Ansicht zu ein und demselben Thema ist. Unterschiedliche Ansichten sind wünschenswert und können ihrerseits Diskussionen befruchten. Die Wahrheit hat niemand gepachtet und es geht auch nicht um Recht und Unrecht, sondern bloß um unterschiedliche Auffassungen.
Deutsche Blogcharts
Jens Schröder von den Deutschen Blogscharts gibt sich riesig Mühe mit seinem Ansinnen, die gemäß Technorati am meisten verlinkten Blogs deutscher Herkunft aufzubereiten. Ihm sei auch gestattet, über die Modalitäten der Aufnahme in den Charts selbst zu bestimmen. Besser wäre es deshalb, daß er seine Methoden und Berechnungsmethoden daher auch veröffentlichte und transparent machte.
Seine Auslassungen über mein Blog-Projekt zeigen seinen Standpunkt auf, welchen ich nicht teile. Gründe hierzu könnte ich viele anmerken, doch geht es im Grundsatz stets um das Thema „richtiger Links vs. böser Link“.
Zahlen vs. Spaß
Paradoxer geht es nicht mehr. Nahezu sämtliche Teilnehmer des Blog-Projekts Wie bist Du zum Bloggen gekommen? hatten ihren Spaß und dieser ließ und läßt sich nicht auf einen Technorati-Authority zuspitzen bzw. ausdrücken. Gerade dies aber geschieht nunmehr. Wie will man denn be- und ermessen, welche Links zählwürdig sind und welche nicht bei der Berücksichtigung einer Top-Plazierung basierend auf Links? Paradoxon Nr. 2: je mehr ich mich informellen Regeln wie jenen von Jens unterwerfe, desto mehr mutiere ich zu einem Linkbaiter, der nur auf sein Technorati-Ranking achtet.
Wenn Spielregeln das Gegenteil dessen hervorrufen, was sie sollten
Aus diesem Grunde sollte ich künftig (sic!), um gerade solchen Technorati-Regeln willfährig zu sein, bei meinen Blog-Projekten die Verlinkungen untereinander als Bedingung unterlassen. Technisch besehen wäre das ganz in meinem Sinne. Ich verkünde mal irgend etwas von einem neuem Projekt auf Probloggerworld, ca. 30 Backlinks trudeln ein, die nicht erwidert werden – wozu denn auch! – und ich schieße bei Technorati ebenso wie in Top-Listen, die auf Technorati basieren, nach oben. Für den Rest dagegen heißt es, außer Spesen nichts gewesen.
Das leidige Thema Links
Der Haken ist, daß ich dies gerade nicht möchte. Ich will immer wieder vor allem unbekannteren Blogs die Chance einräumen, ohne komplizierte, kopfschmerzenverursachende Rahmenbedingungen an einem Blog-Projekt teilzunehmen, um sich mit anderen austauschen zu können.
Immer mal wieder gab und gibt es Blogs, die in den DBC für Furore gesorgt hatten. Even-Blogs etwa, die innerhalb von Tagen nicht nur in die Top 100 sondern gar in die Top 10 vorstürmen; Blogs, die aufgrund einer Idee urplötzlich nur durch die Verlinkung eines Postings sich im Getümmel wiederfinden – gehören solche Phänomene nun zur Blogosphäre, gar in die DBC, oder nicht?
50 Links: Einmal Jubel und Gratulation, einmal Pranger
Das Projekt Ehrensenf verliert einen Kopf. Auf Spiegel Online etc. wird darüber berichtet – und schon hagelt es Links auf Ehrensenf. Ist das nicht wiederum Wettbewerbsverzerrung? Die großen Blogs bekommen immer mehr Links, während die kleinen auf die Finger gehauen bekommen, wenn sie das tun, was aus meiner Sicht das Bloggen ausmacht, nämlich schreiben und verlinken und in der Gemeinschaft Spaß zu haben? Bei DBC liest sich das ganz anders: Der Gewinner der Woche ist diesmal “Ehrensenf”. Durch den Abschied der Moderatorin Katrin Bauerfeind kamen noch einmal 50 neue Links hinzu. Glückwunsch an Ehrensenf. Vielleicht sollten auch mal andere, unbekannte, nicht vom Spiegel gehypte Blogs mal in den Segen von 50 Links gelangen.
Links, PageRanks, Technorati
Auf PageRanks (PRs) usf. gebe ich gar nichts. Verlinkt wird, was gefällt. Und wenn jemand aufgrund der Teilnahme zur angemessenen Berücksichtigung in einer Top-Liste Punktabzug erhält, weil diese Person mit mir in Sippenhaft gezogen wird, dann finde ich das unprall. Zieht mir meinetwegen an Links und Technorati-Authority ab was geht, verbannt mich auf Lebenszeit, doch laßt die Teilnehmer außen vor.
Meine Sicht der Dinge
Schlußfolgernd bleibt für mich stehen, daß es bei der Bewertung ein und desselben Vorgangs zu unterschiedlichen Interpretationen kommen kann. Grundsätzlich sind hierbei sämtliche Argumente gleichwertig, denn jeder hat von seinem Standpunkt aus stets recht. DBC rechnet gewisse Links nicht an – das ist deren Sache, doch sollte der Modus transparent sein.
Meine Grundsätze
Meinen Grundsätze, welchen ich folge (Link-Love, Spaß, Community) und mit diesen bislang auch genau das erreicht habe, nämlich Spaß, Community und Link-Love, gehorche ich auch weiterhin. Gegen eine Aufnahme in die DBC habe ich nichts einzuwenden, doch nicht unter Bedingungen, die nicht meine Sicht des Bloggens widerspiegeln. Ich bleibe dabei, Links, Trackbacks en masse usf. zu vergeben. Das verstehe ich unter Vernetzung.
Man kann eben nicht alles haben. Und wenn die DBC auf mich und Probloggerworld verzichten wollen, so sei es.
To link or not to link
Man muß selbst wissen, was man für sich mit seinem Blog in der Blogosphäre erreichen möchte. Bei mir stehen der Spaß und der Austausch mit anderen ganz vorne. Obwohl nahezu jeder darauf bedacht ist, nur Gutes im Sinn zu haben, offenbart das leidige Thema To link or not to link immer mehr, daß man es niemandem rechtmachen kann. Ganz gleich was man macht, wieviel man wohin und wie verlinkt, man bezieht Prügel. Irgend jemand paßt das Verlinken nicht, in welcher Form auch immer.
Jeder muß für sich beantworten, was er mit seinen Links wie macht. Ich zitiere aus der Wiki:
Hyperlinks sind ein charakteristisches Merkmal des World Wide Web; sie sind das „Salz in der WWW-Suppe“ (Münz/Nefzger) und verbinden einzelne Webseiten und andere im Internet verfügbare Dokumente.
Jeder muß dieses Zitat für sich interpretieren. Und ich habe ehrlich gesagt keine Lust darauf, bei jedem Link, bei jedem Blog-Projekt, das ich mache oder an welchem ich teilnehme, daran denken zu müssen, auf welcher Tretmine ich unter Umständen landen könnte.
Manches muß man daher aufgeben. Aus diesem Grunde auch werde ich das Ziel, einmal in den deutschen Blogcharts aufgeführt zu werden, ad acta legen. Immerhin wurde ich dort ja schon erwähnt.
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Rene,
Hut ab vor dieser besonnenen Reaktion. Ich empfinde es auch als fast schon eine Beleidigung das Projekt als “Kettenbrief” zu bezeichnen. Dafür haben die Teilnehmer zuviel Mühe gegeben!
Ziemlich komisch finde ich auch die Art und Weise wie in der DBC nach einer bekannten Soap GLSL (guter Link, schlechter Link) gemacht wird. Gehts noch???
Ziemlich gut dagegen finde ich Deine Ankündigung, sich davon nicht beirren zu lassen, und weiter Deinen Weg zu gehen.
Once again: Hut ab!
Gruß, Manuel
June 28th, 2007