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Der Begriff Familie reimt sich sowohl auf blankes Entsetzen als auch wohlige Nestwärme. Familien-Zusammenkünfte wiederum sind gespickt mit Erlebnissen der peinlichen Art als auch freudigen Anlässen. Erinnerungen hieran mittels Wort, Bild und Video festzuhalten sind für manche eine grauenhafte Vorstellung, für andere wiederum Lust und Wonne pur. Auf FamilyOne.de kann gleichwohl beiden Zielgruppen geholfen werden.

Es war einmal die Analog-Kamera und das Familien-Album

Für Menschen wie mich, die dem Alter nach abseits der 25 Jahre rangieren, gab es früher, als ich klein war, noch keine Digicams und kein Email. Photos wurden mit Analog-Kameras geschossen, waren verwackelt, zu hell, zu dunkel zu wasauchimmer, und mußten für viel Geld entwickelt werden. Anschließend landeten sie, im besten Falle, in einem gut sortierten Photo-Album und verstaubten fortan vor sich hin. Bezüglich der gemachten Photos verhielt es sich als so: entweder man hatte welche, oder nicht. Mit Digicams und Email wandelte sich dieser Umstand gewaltig.

FamilyOne: Familien-Album meets Web 2.0

Heutzutage muß man sich eher fragen, wohin mit den hunderten Photos und selbst Videos, die vornehmlich die Kleinsten der Familie hoch-semiprofessionell erstellen und von Digicam, Handy oder Camcorder stammen. Soll man die Bilder traditionell behandeln, also entwickeln lassen, einsortieren und verstauben lassen, oder eventuell die delikatesten Stücke in einer Photo-Community oder auf YouTube veröffentlichen – oder gibt es eventuell noch eine andere Möglichkeit, etwas mit den Bildern, Videos und Erinnerungen anstellen zu können?

An dieser Stelle kommt das Internet-Angebot von FamilyOne ins Spiel. FamilyOne hat sich der Familie verschrieben. Angeboten werden die Online-Verwaltung von Stammbäumen, verwandtschaftlichen Beziehungen als auch die Einbindung von geschichtlichen Ereignissen, die Familie betreffend, mittels des Familien-Albums. Das Basisangebot ist kostenfrei. Zusatzkosten fallen im Augenblick nur für die Erweiterung des Speicherplatzes an.

  • Online-Verwaltung von Familien-Stammbäumen

Komfortabel und geschmeidig lassen sich mittels Pfeilen die der Familie zugehörigen Personen zuordnen. Rasch lassen sich Mutter, Vater, Oma, Opa, Schwester, Bruder, aber auch Ex-Freundinnen usf. einpflegen und komfortabel verwalten. Verwandtschaftsbeziehungen als auch sonstige Bindungen lassen sich mittels Verbindungslinie je nach Bezugsgröße, also Ehe, Ex usf., leicht erkennen.

  • Das Online-Familien-Album

Erweitert wurde das FamilyOne-Angebot kürzlich durch das Feature Familien-Album. Nunmehr kann man, chronologisch geordnet, Familienereignisse verwalten. Typischerweise fielen hierunter Geburtstagsfeiern, Jubiläen, Hochzeitstage, die Geburt eines Kindes oder aber auch die Konfirmation, Einschulung, der Schulabschluß, der Führerschein, der erste Urlaub am Ballermann usf.

Familieereignisse chronologisch verwalten

Einträge, die einem Datum zugeordnet sind, lassen sich erstellen und beschreiben. Photos, Videos als auch Kommentare der Familie können hinzugefügt werden. Audio-Files wie etwa Mp3s lassen sich jedoch nicht einstellen. Auffinden lassen bzw. filtern lassen sich die Ereignisse nach Schlagworten. Wählt man ein Schlagwort aus, erscheinen nur die Ereignisse, zu welchen die gewählte Person dem Schlagwort nach Erwähnung fand.

Filterfunktionen und Suche

Besser wäre es jedoch, wenn man nach die Ereignisse nach mehreren Personen filtern könnte. Filter sind nur für jeweils eine Person möglich. Zusammenhänge wie die Auswahl nur der Ereignisse, die Vater und Opa betreffen, sind demnach nicht möglich. An dieser Stelle hilft auch die Suchfunktion nicht weiter. Suchen der bei Suchmaschinen gebräuchlichen logischen UND-Verknüpfung scheint die Suche auf FamilyOne nicht zu unterstützen (Suche: Vater Opa).

Vorschaufunktion fehlt

Vorteilhaft wäre auch eine Vorschau-Funktion für die sich in den Ereignissen befindlichen Bilder. Scheinbar geht FamilyOne dabei davon aus, daß man pro Ereignis nur ein Photo einbaut. An dieser Stelle muß sich dringend etwas tun, denn Digicams laden dazu ein, nicht nur drei, vier Bilderchen zu schießen, sondern im Gegenteil dutzende bis hunderte Bilder zu machen und es dann Dritten zu überlassen, welche man benutzen möchte.

Speicherplatz für die Medien

Mit Blick auf die Speicherung, Organisation und Verwaltung der Bilder jedoch erhält der eingangs sehr gute Eindruck von FamilyOne einen ersten Dämpfer. Wer Medien verwalten möchte, benötigt vor allem auch genügend Speicher hierfür. Ein Blick in die FAQ offenbart den Zusammenhang zwischen Speicher und kostenpflichtigem Mehrwertdienst:

Warum kann ich nur jeden Monat 10 MB in mein FamilienAlbum laden?

Prinzipiell erlauben wir Ihnen, 100 MB pro Monat in Ihr „Mein Album“ hochzuladen. In das FamilienAlbum allerdings ist der Datentransfer, unabhängig ob von „Mein Album“ oder lokal von Ihrem PC, mit 10 MB pro Monat beschränkt. Wenn Sie das Datentransfervolumen erweitern möchten, können Sie eine Premium Mitgliedschaft in Höhe von 6 Euro pro Monat abschließen.

Die Bildverwaltung

Das Herzstück der Bilderverwaltung, das Feature Mein Album bedürfte in diesem Punkte auch einer Überarbeitung. Selbst bei moderater Rechnung von 10 Ereignissen pro Jahr und hierbei gemachten ganzen 10 Bildern ergäbe das eine Anzahl von 100 Bildern pro Jahr, die man abseits sonstiger Bilder im Album eingearbeitet hätte. Gleichwohl lassen sich keine Sub-Alben bzw. Folder einrichten, in welche man Bilder einstellen kann zwecks Übersichtlichkeit.

Da muß sich einschließlich Vorschaufunktion dringend etwas tun, denn ein auf der Grundlage von Photos basierendes Angebot muß solche Grundfunktion notwendigerweise enthalten, denn sonst wäre auch der Wechsel auf die kostenpflichtige Variante mit mehr Speicher für Bilder und Videos sinnfrei, weil kaum jemand für etwas bezahlen dürfte, der die gewonnen Freiheiten mangels Verwaltungsfreundlichkeit nicht wirklich nutzen kann.

Das Familien-Album und Vielnutzer

Das Familien-Album selbst stößt ebenfalls bei gewöhnlicher Nutzung an seine Grenzen. Rasch wird die Ansicht dann unübersichtlich. Vielnutzer dürften wiederum keine Freude mit dem Familien-Album in seiner jetzigen Form haben. Angenommen, von 5 Familienmitgliedern erstelle jedes für jeden Tag ein Ereignis, so kommt man auf etwa 150 Ereignisse pro Monat. Gestuft sind die Anzeigeebenen nach Jahr und Monat. Mit dem Monat als unterste Anzeigebene muß man sich durch 150 Ereignisse wühlen, wenn man etwas genauer hinsehen möchte. Nach Wochen, Tagen oder auch speziellen vom Nutzer definierten Zeiträumen – etwa: alle Geburtstage; 6.12.2003 bis 19.2.2004; 3.12., 6.12., 24.12. usf. – kann man die Ereignisse auch nicht strukturieren lassen.

Aus meiner Sicht zu verliebt in die Animations-Möglichkeiten der Web 2.0-Techniken statt nutzerfreundlich zeigt man sich umgekehrt bei der Wahl eines Jahres oder Jahrzehnte als auch Jahresabschnitts, obgleich letztere Funktion auch ist nicht möglich ist. Jahre, in welchen Ereignisse eingetragen worden waren, lassen sich mittels der Blättern nach Zeit-Funktion anspringen. Zu bestimmten Monaten usf. kann man bedauerlicherweise nicht direkt navigieren.

Was für den Stammbaum hervorragend umgesetzt wurde, ließe sich auch auf das Familien-Album übertragen. Weshalb sollte man nicht den Zeitstrahl des Familien-Albums nicht jenem des Stammbaums angleichen bzw. als Betrachtungsoption anbieten? Hübsch und praktisch wären auch sonstige Individualisierungsoptionen, wie etwa anpaßbare Farben oder gar Themes. Beziehungsmuster lassen sich zudem auch nicht weiter aufschlüsseln, etwa kann man die Beziehungsverhältnisse dem Namen nach nicht ändern, und kann aus der Ex-Lebenspartnerin nicht die Affäre oder Platonische Liebe werden lassen, was es ja auch geben soll. Untereinander erneut verbandeln lassen kann man die Mitglieder des Stammbaums auch nicht. Mehrfachnutzung, gewissermaßen das Familien-Recycling ein und derselben Person etwa für den Fall, daß man die Ex-Freundin seines Cousins heiratet, ist nicht drin.

Wünschenswerte Zusatzfunktionen

Zusatznutzen böten auch erweiterte Funktionen wie eine Erinnerungs-Funktion. Gäbe es diese, ließen sich auch automatisch Email- oder SMS-Reminder versenden, wenn ein Geburtstag oder eine Feier anstünde. Von Vorteil wäre auch die Möglichkeit des Herunterladens eines einzelnen Photo-Albums auf den heimischen Rechner, um dort die Bilder betrachten und weiterbearbeiten zu können. Des weiteren täte auch eine integrierte Photo-Entwicklungsfunktion dem Angebot gut: Bilder auswählen, online entwickeln lassen und ein paar Tage später liegen sie sodann im Briefkasten. Ließe sich das Album einem Zeitabschnitt, bestimmten Tage oder auch Ereignissen nach in eine handliche PDF-Datei bzw. in ein eBook exportieren, wäre das Angebot kaum noch zu toppen.

Keine Rechteverwaltung

Unangenehm fällt auf den zweiten Blick die fehlende Rechtverwaltung der Familienmitglieder im Sinne eines Admin-Modells auf, der den Mitgliedern bestimmte Bearbeitungsrechte zuweist, nicht daß auf einmal der technisch völlig unbedarfte Opa das Familien-Album oder Teile dessen mit ein paar Klicks plattmacht. Speicher-Möglichkeiten und eine Funktion zum Rückgängigmachen gemachter Änderungen dagegen wäre wohl Luxus.

Schlußbemerkung und Zusammenfassung

Dem Ansatz nach ist das FamilyOne-Angebot eine schöne Sache und überträgt eine angestaubte Tradition, die des Photoalbums, in die moderne Welt der neuen technischen Möglichkeiten. Bekanntlich aber kommt es auf den praktischen Nutzen im direkten Einsatz an und an dieser Stelle hakt es unter dem Strich dann doch gewaltig.

Abstrakt besehen stellt FamiliyOne ein Daten-Verwaltungssystem auf der Basis von Funktionen für Einzelnutzer als auch Gruppen für Medien-Elemente wie Photos und Videos, jedoch ohne Audio-Dateien, dar. Konkret will FamilyOne ein Verwaltungssystem spezial für Familie und Verwandtschaft sein und sich nach deren Bedürfnissen ausrichten.

Dies ist bislang noch nicht vollständig gelungen. Die Ansätze sind vielversprechend und gehen in die richtige Richtung. Richtet man das Angebot künftig an dem eigentlichen Fixpunkt, der Gruppen-Verwaltung aus, so dürfte dem Erfolg von FamilyOne nichts im Wege stehen. Bislang aber ist das Angebot zu sehr auf das Profil eines Einzelnutzers zugeschnitten, der das Angebot gelegentlich nutzt und ganz selten einmal ein Ereignis, das er bzw. sie mit Worten beschreibt, auch um ein Bild bereichern möchte – mehr aber auch nicht.

Wünschenswert etwa wären insbesondere folgende Funktionen:

  • Import und Export von Daten jeglicher Art, etwa in Word oder auch als Jahresalbum im PDF-Format
  • Statistiken erstellen, Zusammenhänge herausschälen (Scheidungsrate etwa)
  • Speicher-Funktion
  • Verwaltung von Audio-Dateien (Mp3s)
  • Bessere Suchfunktion
  • Rechteverwaltung der Familienmitglieder respektive Nutzer
  • Flickr-Anbindung

FamilyOne hat der Idee und dem Grundsatz nach ein beachtenswertes Angebot auf die Beine gestellt. Unbedingt kräftig ausgebaut werden muß die Verwaltungsmöglichkeit und Integration der Medien, insbesondere der Photos. Bewegt man sich sodann zunehmend dem Gruppen-Verwaltungsaspekt zu, daß dem Projekt als Annahme zugrunde liegt, ist man wieder voll auf Kurs.

Empfehlen kann ich FamilyOne gegenwärtig eher Gelegenheitsnutzern ohne großes Datenaufkommen. Zu begrenzt ist bedauerlicherweise bis dato der Spielraum und damit die Entfaltungsmöglichkeit, die FamilyOne als eine Anwendung zur Abbildung und Verwaltung der komplexesten Keimzelle einer Gesellschaft, nämlich der Familie, dem Nutzer respektive den Nutzern läßt. Unter dem Strich vergebe ich als Abschlußwertung daher knappe 2 von 5 möglichen Punkten.

ProbloggerWorld-Wertung: 2 von 5 Punkten