Jedem Blog tut Flexibilität und Variation gut. Abwechslungsreiche Artikel lesen sich genüßlicher, als dröge Einheitskost. Wechseln kann man etwa den Stil eines Artikels. Stilmittel zur Gestaltung eines Artikels einfließen zu lassen, ist eine erlernbare Kunst.
Zwischen folgenden Mitteln und Gesichtspunkten kann man wechseln, um Ton und Aussage seiner Artikel neu einfärben zu können; mischen und kombinieren lassen sich die Stilmittel und Gestaltungsvorschläge obendrein.
- Humor und Ironie: Außer Frage steht, daß Humor Trumpf ist. Wer seine Leser zum Lachen bringen kann, hat gewonnen, denn Humor und Freude sind positive Emotionen, die Sympathien wecken. Ironie nimmt jeder, auch bissigen, Äußerungen die Schärfe, verleiht dieser nichtsdestotrotz auch eine gewisse Würze. Humor ist das positive Bindeglied der Menschen, ganz im Gegensatz zu Haß und Beleidigungen. Ironie ist eine Kunstform. Derbe bellen kann jeder.
- Information: Informativer Stil ist dann vonnöten, wenn der Sachgehalt Priorität vor weiteren Überlegungen genießt. Der kurze, prägnante Stil der Agentur-Meldungen kündet hiervon. Überflüssige, sogenannte Redundanz, ist wegzulassen zugunsten von Fakten. Information aufzubereiten bedeutet zuvörderst, daß man auf eigene Wertungen verzichtet respektive die Fakten von Meinungen trennt.
- Zitate: Sentenzen berühmter Personen oder auch bekannte Sinnsprüche lockern Texte sowohl auf, und können gleichwohl auch eine Aussage oder Beweisführung stützen. Zitate haben den Vorteil, daß sie alles und nichts aussagen, zudem lassen sie sich in nahezu jedem Kontext ge- und mißbrauchen. Wichtig ist beim Einsatz von Zitaten darauf zu achten, daß man Zitate als These gebraucht, nicht aber als Beweis. Jeder Autor sollte sich mit einem Zitat auseinandersetzen, nicht aber etwas in den Raum stellen und als eine Art Schutzheiligen besehen, der alleine schon für die Güte eines Textes steht.
- Pro und Contra: Immer wieder gerne gesehen ist das Zusammenfassen von Meinungsständen zu einem kontrovers diskutierten Thema, das die Gemüter der Nation aufs tiefste bewegt und fesselt. Zu jedem Thema gibt es unterschiedliche, teils gegensätzliche Ansichten.
- Umfragen: Meinungsstände erforschen, Sichtweisen ausloten, diesem Unterfangen dient die Erhebung von Umfragen. Ob man Umfragen Dritter lediglich zitiert oder selbst durchführt, macht in der Sache keinen Unterschied. Jeder Mensch hat zu allem und etwas eine Meinung und ist gerne geneigt, diese auch kundzutun. Umfragen selbst wiederum können weiterbearbeitet werden, etwa aus humoristischer Sicht oder eben als Deutung im Rahmen einer Pro-und-Contra-Betrachtung.
- Kommentar: Subjektiver geht es kaum noch als im Rahmen eines Kommentars seine Sichtweise zu entäußern. Das Wesen eines Kommentars ist es gerade, die Schlüsse, die eine Person aufgrund von Fakten und Erkenntnissen oder eigenen Wahrnehmungen zieht, einem Publikum zu vermitteln. Nicht eben selten intendieren hierbei die Kommentatoren, ihre Äußerungen möglichst emotional einzufärben, um ihr Anliegen, für das sie einstehen, den nötigen dramatischen Rahmen zu verpassen; man will schließlich Wirkung erzielen, sonst könnte man seine Meinung auch für sich behalten. Häufig finden sich Kommentare als Mittel der Wahl in Kritiken. Kommentare, die lobend etwas hervorheben wollen, werden meist als Laudatio gepflegt oder sind auch als das große Schweigen bekannt.
- Geschichten: Lebenserfahrungen fesseln die Zuhörer, sofern man Unterhaltsames, Spannendes, Packendes oder auch schlicht Informatives zu vermitteln weiß. Jeder Mensch hat sein Joch zu tragen, und gerade der Erfahrungsaustausch genießt hierbei einen großen Stellenwert. Nicht umsonst wimmelt es am Zeitschriftenkiosk nur so vor Weltschmerz- und Herzblattgeschichten, denn am Schicksal anderer nimmt man gerne stellvertretend, wenn auch mit gemessenem Abstand, teil. Ist man ähnlich betroffen, so steigert sich das Gefühl der Verbundenheit. Mit anderen Worten: Geschichten locken und faszinieren seit jeher.
- Aufforderungen und Empfehlungen: Nach meinem Dafürhalten sollte man danach streben, die Ironie für sich zu entdecken und zu kultivieren. Man profitiert doppelt davon, einmal persönlich, denn man demonstriert Gelassenheit sich selbst gegenüber, des weiteren aber auch signalisiert man nach außen hin, daß man anderer Personen Standpunkt toleriert obgleich man diesen nicht unbedingt gutheißt.
- Schocker, Ungewöhnliches, Diskrepanzen, Kontraste, Kontroversen: Vorwiegend reißerisch kommen nämliche Aspekte daher. Die Konfrontation mit Ungewöhnlichem fordert heraus. Nahezu reflexhaft erhebt sich herber Widerspruch, wenn man Gedanken und Anschauungen ausgesetzt wird, die im Verhältnis zur persönlichen Sicht der Dinge gegensätzlicher und delikater nicht ausfallen können. Bestes Beispiel bildet seit jeher die Kirche. Freie Liebe, ficken wie, wo und mit wem man will, Nacktheit, Sado-Maso-Praktiken und Empfängnisverhütung treiben noch jedem sittsamen Kleriker die Schamesröte ins Gesicht ob der Unkeuschheit und Sinneslust, die der sexuell ausschweifende Sünder auf sich vereint. Warum? Nun, was man selbst nicht innerlich annimmt noch lebt oder gar auslebt erweckt umgehend und unvermeidlich Widerspruch.
- Fragen stellen: Wozu sollte man jemand eine Frage stellen? Was kann eine Aussage mit Fragezeichen am Satzende für eine Bedeutung haben? Fragen erzielen Wirkung. Auf eine Frage folgt eine Antwort, wie immer sie auch ausfallen mag („Man entgegnet auf eine Frage nicht mit einer Gegenfrage!“ – „Wieso nicht?“ – „Darum!“ – „Aha.“). Menschen haben auf alles und zu allem eine Meinung. Mit einer Frage liefert man die Bühne, auf welcher sie ihre Auffassungen vorstellen und präsentieren können. Eine Frage ist eine Einladung. Sie bindet nahezu jeden Leser augenblicklich in das Geschehen mit ein.
- Behauptungen: Warnung! Behauptungen bewegen sich stets am Rande des tiefsten Abgrundes. Argumentationen, die auf Behauptungen gründen, sind ein Widerspruch in sich. Der Behauptung muß der Beweis bzw. eine Untermauerung folgen. Behauptungen, die mit Behauptungen untermauert werden, nennt man auch Tautologie („Naß ist Wasser, weil es naß ist.“). Auf Behauptungen sollte man niemals eingehen, denn im Kern sind sie nichts anderes als tief verankerte Vorurteile. Wer aber wider Vorurteile sachlich vorgeht, dem wird es der andere niemals verzeihen. Unweigerlich schafft man sich auf diese Weise bloß Feinde. Paradox, oder? Der Grund ist einfach. Die Souveränität, sein Selbstvertrauen nicht auf Eitelkeiten zu stützen, genießen nur sehr wenige. Wer an Vorurteilen rüttelt, erschüttert auch das Selbstbild. Mit Milde und Nachsicht kann in diesem Falle niemand rechnen, im Gegenteil. Zeugnis hiervon legt tagtäglich die Welt der Nachrichten ab. Wen juckts, ob jemand sich scheiden läßt? Allenfalls „Ehrenmörder“, die ihre Ehre mit Kopfschüssen wieder aufbauen. Herzlichen Glückwunsch!
- Vergleiche: Wußtest Du, daß man Äpfel mit Birnen sehr wohl vergleichen kann? Die Aussage, wonach man Äpfel mit Birnen nicht vergleichen könne, solle, dürfe, ist falsch. Man kann alles mit jedem vergleichen und ins Verhältnis setzen. Ob es im Einzelfall klug ist, mag dahingestellt sein, doch fördern Denkbarrieren wie der Darf-man-nicht!-Imperativ nicht gerade das Entdecken von Neuem. Tradiertes Denken der Konservativen etwa wie die sinnfreie Scheidung von Männlein und Weiblein in Geschlechter, das eine stark, das andere schwach, führt dazu, daß man sich vieler Chancen begibt. Schiedsrichterinnen in der Bundesliga sind aus meiner Sicht ein Muß und ideale Ergänzung für das primitive Mannsvolk aus den Reihen der kultivierten Frauenwelt. Fußball, saufen, Weiber – der Dreiklang erhält mit Schiedsrichterinnen eine völlig neue Bedeutung. Noch Berti Vogts sprach sich ehedem gegen Frauengebolze aus. Und er muß es bekanntlich wissen.
- Casual Postings/Triviales: Den Blick fürs Wesentliche beweist man, indem man auch scheinbaren Nichtigkeiten und den Belanglosigkeiten der Welt seine Referenz erweist und ihnen ihren gebührenden Platz in der Geschichte der Menschheit zuweist. Qua Theorie der Dialektik, also dem Gedanken, daß Gegensatzpaare bestehend aus These und Antithese wie etwa Ernst und Spaß zusammengehören und sich selbst bedingen, markiert die Differenz zweier Gegenstände erst deren Wertigkeit. Um dem universitärem Geschwafel ein Ende zu bereiten, sei der Vergleich von Männer-Fußball und Frauen-Gekicke angeführt. Erst wenn man einmal die wild-dilettantischen Abfolgen des weiblichen Verständnisses im Umgang mit der Deutschen Nationalheiligtum, dem Fußball, auf dem Rasen gewahrt hat, kann man tatsächlich ermessen, auf welch hohem Niveau sich die Fußball-Bundesliga bewegt. Zum Vergleich: vor vier Jahren spielte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft zwecks Vorbereitung auf die damalige WM wider die U15 der Eintracht Frankfurt und verlor. Regelmäßig treten die Frauen gegen die heranwachsende Jungkicker an und kommen über ein Unentschieden zumeist nicht hinaus. Weltmeister zu sein ist zwar prima, vergleichen darf man trotzdem.
- Beispiele: Je konkreter, desto besser. Unausweichlich zur Stützung einer Behauptung oder auch Erläuterung einer Aussage sind Beispiele. Theorien abstrahieren die Lebenswirklichkeit. Leben haucht man Abstraktem ein, indem man sie mit Beispielen füllt. Vermeiden kann man den Satz Darunter kann ich mir nichts vorstellen, indem man eine Erörterung mit einer Beschreibung unterlegt.
- Übertreibung und Überzeichnung: Der Ironie nahestehend ist die Übertreibung. Ein Gegenstand wird überzeichnet, um ihn grotesk erscheinen zu lassen, oder auch um dessen eigentliche Aussage zu entlarven. Des Kaisers neue Kleider beruht alleine auf diesem Grundsatz der Entzauberung. Generalisierung, also das Verallgemeinern von Aussagen und Sachverhalten ist eine beliebte Form dieses Stilmittels. Würde jeder so handeln oder Würde das jeder so machen, dann, ja dann, ja was dann? In Stellung gebracht sind Verallgemeinerungen schnell und auf den ersten Blick wirkt deren Aussage stimmig und einsichtig. Persifliert werden diese jedoch immer durch die Lebenswirklichkeit. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird, weshalb man sich hüten sollte, Verallgemeinerungen mit Ernst (siehe nachfolgenden Punkt 16) zu vermengen, will man sich keinen bösen Bumerang einfangen. Ironische Überzeichnung dagegen, worunter auch Sarkasmus firmiert, hat schon was, wenn sie kunstfertig daherkommt. Adolf, die Nazi-Sau von Walter Moers markiert von meiner Warte aus ein Meisterwerk dieser Disziplin und ist nichts anderes eine Hommage als die Fortführung eines intellektuellen Diskurses von der Banalität des Bösen (Hanna-Baby, you rock!).
- Ernst: Wer Ironie bemüht, der darf vor Ernsthaftigkeit als Kontrastmittel und Resonanzboden nicht haltmachen. Aus Gründen der Dialektik (siehe Ausführungen zu Punkt 13 Casual Postings/Triviales) bedingt sich dieser Zusammenhang. Ernsthaftigkeit hat nur einen Nachteil. Pathos, also übertriebener Nachdruck für eine Sache, der nicht von allen Menschen geteilt wird, weckt Spott und eben auch Ironie.
- Bilder: Der Mensch denkt in Bildern. Einstein brach eine Lanze für das Visualisierungsdenken und verblüffte die ungläubigen Zuhörer immer wieder, daß er gerade kein theoretischer Mathematiker sei. Die Relativitätstheorie ist mit einer der trivialsten Errungenschaften der Menschheit. Vereinnahmt durch Professoren und Physiker, gebe diese sich überwiegend die Mühe, sie nach Kräften zu verklären und in einen nebulösen Okkultismus zu kleiden, so daß sie wie Gralshüter einer Banalität wirken. Zeitstrahlen und Bahnhöfe waren die Ansätze, das zu entwickeln, was heuer allgemein als Relativitätstheorie in aller Munde ist und doch bedurfte es erst der Wissenschaft, Einsteins Theorie die Einfachheit auszutreiben, um sie für sich vereinnahmen zu können. Gelingt es jemandem Bilder mit Worten zu zeichnen, zieht man Leser in seinen Bann, weil Bilder Assoziationen und Emotionen wecken. Nichts anderes wollen Graphiken und Bilder als schmückendes Kolorit erreichen. Eleganter kann man dröge Informationsfluten nicht emotional aufladen und damit den Zugang zu Menschen erleichtern. Bestes Beispiel markiert aus meiner Sicht die Illustrierte der Spiegel, noch weit vor der Bild-Zeitung. Weniger gekonnt nutzt das Prinzip dagegen der Stern. Bildersprache, die Renaissance der Höhlenmalerei Internet Smiley, zumeist gelber Grinsewesen, debil grinsender Piktogramme
- Zusammenfassungen: Resümees und abschließende Betrachtungen erleichtern dem Leser den Zugang zu einem Text. Im Wissenschaftsbetrieb sind Abstracts, also Zusammenfassungen oder auch Exzerpte genannt, unerläßlich. 95% eines Textes sind Ausschmückungen, die dazu dienen, Bekanntes zu wiederholen und zu illustrieren. Vieles läßt sich auf wenige Sätze reduzieren. Der Leser dankt es einem, wenn er von der Last befreit wird, einen langen Text lesen zu müssen. Interessiert ihn die Zusammenfassung, wird er dies immer noch tun.
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