Manche Dinge sind verblüffend, wenn man sie in Zusammenhang setzt. Nachfolgende Liste enthält ein paar sehr interessante statistische Zusammenhänge parat:

  • 80% der Verkäufe entfallen auf 20% des Kundenstammes
  • 80% der Fehltage entfallen auf 20% der Mitarbeiter
  • 80% des Schmutzes auf dem Boden entfällt auf 20% Raumfläche
  • 80% des Verkehrs entfallen auf 20% des Verkehrsnetzes
  • 80% des privaten Finanzvermögens entfallen auf 20% der Bevölkerung
  • 80% der Support-Anfragen im Internet entfallen auf 20% einer FAQ-Datenbank

Entnommen sind diese Beispiele überwiegend dem Internet. Die Liste der Zusammenhänge scheinbar belangloser Zuordnungen läßt sich munter fortsetzen:

  • 80% der Abnutzung eines Teppichs entfallen auf 20% Lauffläche
  • 80% der Lesezeit entfallen auf 20% der Seiten einer Tageszeitung (Titelseite, Sport, Kolumnen und Sonderseiten)
  • 80% der Zeit am Telephon verbringt man mit 20% der Anrufenden
  • 80% der Probleme eines Unternehmens werden durch 20% der Kunden erzeugt

Die Gemeinsamkeit: 80/20 oder 20/80

Gemeinsam ist diesen Verhältnismäßigkeiten, daß sie alle die Zahlen 80 und 20 als Relation mit sich führen. Eingebürgert hat sich der Begriff Pareto-Verteilung für das Zahlenverhältnis von 80 zu 20 respektive 20 zu 80.

Die 80/20-Regel: Pareto-Verteilung

Benannt wurde die Pareto-Verteilung nach dem italienischen Ingenieur, Soziologen und Ökonomen Vilfredo Pareto.

Vilfredo Federico Pareto, gebürtig Wilfried Fritz Pareto, wurde am 15. Juli 1848 in Paris geboren und verstarb am 19. August 1923. Geforscht hatte er am Ende des 19. Jahrhunderts über die englische Ökonomie, als er diese Entdeckung machte.

Vermögensverteilung und wiederkehrende Muster

Ausgangspunkt seiner Untersuchungen waren Fragen zur Vermögensverteilung gemessen anhand der Bevölkerung innerhalb verschiedener Länder. Entdeckt wurde von Pareto hierbei, daß es wiederkehrende Muster bei der Vermögensverteilung der Länder gab. 20% der Bevölkerung vereinnahmten 80% des Privatvermögens auf sich – und das galt mit geringen Abweichungen für sämtliche seiner untersuchten Länder.

Sinnigerweise gilt Pareto als Begründer der Wohlfahrtsökonomie.

Abweichungen vom Verhältnis 80/20 gibt es. Verhältnismäßigkeits-Verteilungen wie 90/10, 70/20/10, 25/75 usf. basieren im Grundsatz auf dem Prinzip der Pareto-Verteilung.

Zeit ist Geld

Später wurde seine Entdeckung von bestimmten Verhältnismäßigkeiten auch auf andere Bereiche der Wirtschaft übertragen, allen voran das Zeitmanagement. Auch hier wurde Häufungen bestimmter Ursachen und Wirkungen im Zusammenhang betrachtet und entsprechend bewertet:

  • 80% der Aufgaben werden in 20% der zur Verfügung stehenden Zeit erledigt
  • 20% der Aufgaben werden in 80% der zur Verfügung stehenden Zeit erledigt

80/20-Regel verallgemeinert

Verallgemeinert ausgedrückt läßt sich festhalten, daß das Pareto-Prinzip bzw. die 80/20-Regel aussagt, daß 20% des Arbeitseinsatzes ursächlich für 80% des erzielten Nutzens sind. Aus dem Umkehrschluß wiederum folgt, daß demnach 80% Einsatz zu lediglich 20% des Nutzens beitragen.

Nüchterne Beispiele mögen das verdeutlichen.

  • Wer sich vornimmt, für einen zu schreibenden Artikel Recherchen im Internet zu tätigen, hat in der Regel 80% der Quellen zusammen, nachdem er 12 Minuten recherchiert bzw. auf 80% der für den Artikel benutzten Quellen entfallen 20% Zeitaufwand.
  • 48 Minuten entfallen wiederum auf das Anklicken verlockender Links, denen man bereitwillig folgt und die allenfalls zu 20% weiterer möglicher Quellen für einen Artikel beitragen, umgekehrt aber 80% der Recherche-Zeit veranschlagen. (Angesichts meiner Selbstbeobachtungen muß ich es wissen! ;) )
  • Das Schreiben von Blog-Artikeln ist rasch erledigt. Feinschliff, Korrektur lesen, Änderungen usf. dagegen sind wahre Zeiträuber, zumal vor dem Hintergrund, daß man die wenigen Fehler eines Artikels wirklich mit der Lupe suchen muß.

Regel, nicht Gesetz

Wer sich die 80/20-Regel bewußtmacht, dem werden viele Dinge auffallen, die in einem größeren Kontext betrachtet eine andere Bewertung verdienen.

  • Wer im Verhältnis zum Schreiben eines Artikels zuviel Zeit mit Korrektur lesen verbringt, sollte sich ein Zeitlimit fürs Korrekturlesen setzen und danach aufhören. Der Nutzen steht in keinem Verhältnis zum Einsatz.
  • Wer ständig an seinem Blog-Theme herumbastelt, sollte aufpassen, daß er dabei nicht die Hauptaufgabe des Bloggens, das Bloggen selbst, also das Erstellen von Artikeln, übersieht.

Perfektionismus und Prokrastination

Recht besehen warnt das Pareto-Prinzip vor den Folgen des Perfektionismus. Für sich genommen ist jede Teilaufgabe eines Gesamtprojektes gleichwichtig und gleichberechtigt. Mittels der 80/20-Regel kann man jedoch immer wieder Prioritäten setzen und schauen, daß die Hauptträger des Projektes nicht außer acht gelassen und fertiggestellt werden.

Internet-Recherchen wachsen sich rasch zu einer ausgedehnten Session aus, „Mal kurz chatten“ oder „Emails checken“ sind gut gemeint, doch als Ausflüchte als solche auf den ersten Blick nicht erkennbar, und bringen Lawinen ins Rollen, deren Verhaltensmuster man ganz allgemein als Prokrastination bezeichnet.

Wie ich die 80/20-Regel anwende

Grobgesagt sind in einem Artikel folgende Arbeitsschritte enthalten:

  • Schreiben des Artikels
  • Korrektur lesen
  • Recherchieren
  • Verlinken
  • Posten
  • Sonstiges

Der Artikel enthält 80% des Nutzens. 20% entfallen auf die weiteren Schritte wie das Korrekturlesen usf. Aus nämlichem Grunde investiere ich 80% meiner Zeit auch in das Schreiben des Artikels und nicht umgekehrt lediglich 20%.

Andere Schwerpunkte, andere Zeitfenster

Anders liegt es bei abweichender Schwerpunktsetzung, wenn der Fokus nicht auf der Erstellung des Artikels alleine liegt.

Kommt es mir gerade auf das Setzen bestimmter Links an, sind Recherchen oder ein nahezu fehlerloser Artikel in diesem Falle sehr wichtig, variiere ich entsprechend die Zeitfenster. Ohne Präzision in anderen Bereichen würde in diesem Falle der Artikel an Wert verlieren, drum muß man an bestimmten Stellen mehr Politur auftragen.

Selektiver Perfektionismus

Ich nenne das selektiven Perfektionismus. Anstatt jeden Bereich zu 100% erfüllen zu wollen, achte ich darauf, nicht 80% meiner Zeit mit 20% des Nutzwertes zu verbringen.

Fazit

Aufwand und hierbei der zeitliche Aufwand und das Gesamtergebnis muß man stets im Verhältnis sehen. Schwerpunkte sollten gesetzt werden und nicht jeder Teilbereich des Ganzen muß 100% sein, eben perfekt sein.

Weiterführende Informationen und Links

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