Blogs und Kommentare gehören zusammen wie Fisch und Fahrrad. Lange Zeit galt diese Aussage als Bestandteil des Blog-Kanons. Hinterfragt wurde die Notwendigkeit des Einsatzes von Kommentaren in Blogs nicht. Nunmehr ist es an der Zeit, diesen Gegenstand zu erörtern und zwar contra Kommentarfunktion in Blogs.

  1. Arschlöcher, Trolle
    Arschlöcher, euphemisierend gerne auch als Trolle betitelt, die sich unter dem Deckmäntelchen eines Kommentators verbergen, markieren im allgemeinen die Menschheitsplage schlechthin und sind ein, wenn nicht gar der wesentlicher Grund, mittels Radikalmaßnahme dieser ein für allemal Herr zu werden.
  2. Fakt ist: Blogs sind eine technische Plattform zur Veröffentlichung von Informationen
    Technisch besehen stellen Blogs nichts anderes dar als eine Form der Aufbereitung von Informationen zur Publikation im Internet. Wie man diese gestaltet, hängt letztlich von einem selbst ab. Qualitativ steht und fällt ein Blog nicht mit abgeschalteter Kommentarfunktion.
  3. Nutzerwert für Leser – daran schon mal gedacht?
    Haben Kommentare tatsächlich einen konkreten Nutzwert? Falls ja, für wen und wie sieht dieser aus? Unterstellt wird Kommentaren unterschwellig grundsätzlich ein bestimmter Nutzwert, gar eine Art Selbstzweck oder auch Charakteristikum eines Blogs. Aussagen dieser Art gleichen eher einem unerschütterlichen und unverrückbaren Glaubensbekenntnis, als einer Ansicht, die bislang noch nicht wirklich hinterfragt worden ist.
  4. Haftungsrisiko und Abmahnungen
    Kaum Beachtung oder gar Berücksichtigung findet die Tatsache, daß man als Blogger auch für die Beiträge Dritter haften kann. Zu diesen zählen insbesondere Kommentare.
  5. Kontrollpflicht
    Aus dem zum Punkt Haftungsrisiko für Kommentare Genannte läßt sich im Umkehrschluß ableiten, daß man eine gewisse Prüfungspflicht der Kommentare seines Blogs hat.
  6. Hausrecht
    Man kann es drehen oder wenden, wie man will. Jeder Blogger genießt Hausrecht hinsichtlich seines Blogs. Sichtbaren Gebrauch kann der Hausherr respektive die Hausherrin dieses sowohl darin, daß Kommentare zugelassen werden oder nicht, als auch ob und welche Kommentare man löscht. Umgekehrt ergibt sich auch hieraus die Pflicht, Kommentare zu prüfen. Wer Rechte hat, hat auch Pflichten.
  7. Meinungsfindung: Kommentare vermitteln kein objektives Bild bzw. Verhältnis von Zustimmung und Kritik
    Tunlichst hüten sollte man sich davor, Kommentaren, zumal harscher Kritik, einen objektiven Wert beizumessen. Zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter liegen Welten. Viele Blogger begehen den Fehler, Kritik für bare Münze noch dazu persönlich zu nehmen. Sogenannten Kritikern ist zueigen, daß sie gerne aktiv werden. Das kann fruchtbar sein, überwiegend verhält es sich jedoch so, daß Kritik Selbstzweck ist und gerade die vermeintliche Anonymität des Internets dazu verleitet, derbe in die Tasten zu hauen. Aus dem Duckmäuser, der weder seiner Mama noch sonst gegenüber seine Meinung konstruktiv äußert, wird so das Ventil vieler Gefrusteter.
  8. Relevanz für einen Artikel
    Kommentar ist nicht gleich Kommentar. Kommentare, die an der Sache vorbeigehen oder auch Flames – bedarf es dieser? Wohl kaum.
  9. Sind Kommentare wirklich Mittel der Wahl zur Diskussion?
    Welchen Zweck sollen eigentlichen Kommentare erfüllen? Forum? Austausch? Kurze Meldung? Plausch? Meinungsbildung? Kaum jemand stellt sich diese Frage, was sich auch in fehlenden oder, falls doch vorhanden, unklug ausgerichteten Kommentar-Richtlinien niederschlägt.
  10. Sind Kommentare tatsächlich eine Notwendigkeit oder schlicht eine Option?
    Jedem steht die Entscheidung pro und contra Kommentare frei. Niemand kann weder zur einen, noch zur anderen Sicht genötigt werden. Beide sind gleichwertig.
  11. Konzentration aufs Wesentliche: Publizieren vs. Moderieren
    Man stelle sich schlicht folgende Frage: Sieht man sich als Blogger oder Moderator? Möchte man lieber Bloggen oder statt dessen Kommentare moderieren? Solange sich beides noch in einem vernünftigen Rahmen bewegt und einem ausgeglichenen Verhältnis mit einem leichten Ausschlag in Richtung bloggen besteht, würde ich Kommentare zulassen. Sonst aber würde ich darauf verzichten. Der Artikel war zuerst da. Ohne Artikel keine Kommentare. Eine einfache Gleichung.
  12. Zeit, Aufwand
    Zeit – ein hohes Gut. Entweder man nutzt sie oder verschwendet sie. Beherbergt die für die Kommentare und das Kommentieren aufgewendete Zeit einen Mehrwert für sich und die Leser? Nicht selten kann diese Frage verneint werden. Wenn 1.000 Menschen einen Artikel lesen und 30 Kommentare verfaßt werden, liegt ein Ungleichgewicht vor. Lohnt es sich dann angesichts dieses Verhältnisses Zeit aufzuwenden, die vorhandenen Kommentare auf Spamer, Arschlöcher und sonst rechtlich fragwürdige Inhalte zu prüfen? Sollte man nicht lieber bloggen und damit die Zeit für die restlichen knapp 1.000 Leser investieren?
  13. Spam
    Kommentar-Spam stellt eine Sonderform der Arschloch-Kommentare dar. Analog der Spam-Emails handelt es sich hierbei auch um ein überaus lästiges Ärgernis, auf das man gerne verzichten kann. Ohne Kommentare gibt es garantiert auch keinen Spam.
  14. Fakes
    Das unter dem Punkt Arschlöcher und Trolle Gesagte kann man weitgehend analog auch auf diese Spezies anwenden.
  15. Ablenkung
    Kommentare sind bisweilen reine Ablenkung von einem Artikel. Kurzweilige Abwechslung ist nicht jedermanns Sache.
  16. Einzelfallentscheidung
    Pro und Contra Kommentare ist bisweilen eine Einzelfallentscheidung. Will man diese Äußerungen veröffentlicht wissen, oder nicht? Welche Konsequenzen gilt es zu bedenken? (Vgl. weitere Punkte dieses Artikels)
  17. Kritik, Bekrittelungen
    Anfeindungen und wohlmeinenden Ratschlägen sieht man sich unvermittelt aus, sobald man mit seiner Sicht der Dinge das Feld der Öffentlichkeit betritt.
  18. Ladezeit wird verlangsamt
    Von technischer Seite her besehen verlangsamen Kommentare die Ladezeit einer Website. Aus Usability-Gesichtspunkten ein entscheidender Nachteil. Zudem steigt auch mit der Größe der Website auch die Serverlast.
  19. Kein Einfluß auf Wiederbesuch
    Wer Kommentaren argwöhnisch gegenübersteht könnte noch gelten lassen, daß sie dem Wiederbesuch der Leser förderlich und zuträglich seien. Doch ist das auch tatsächlich so? Meine Erfahrungen belegen dies nicht.
  20. Statistik: Zahl der Kommentatoren ist gering und steht in keinem Verhältnis zur Anzahl der Leser; es sind immer dieselben
    Fakt ist, daß von den vielen Hundert Lesern eines Artikels lediglich ein verschwindend geringer Anteil überhaupt die Möglichkeit des Kommentierens wahrnimmt. Wertfrei betrachtet, wird man als Kommentator scheinbar geboren, denn es sind überwiegend stets dieselben Personen, die Kommentare regelmäßig verfassen und sich aktiv beteiligen. Dieser Befund kann Vor- und Nachteile haben, denn sowohl grenzdebile Kretins als auch intelligente Menschen scheinen das Kommentartor-Gene inne zu haben. Kluge Kommentatoren sind ein Gewinn. Deppen dagegen konsumieren unendlich Zeit, welche man sich und seinen Lesern sparen sollte.
  21. Vorbilder
    Die Schar jener Blogs, die auf Kommentare verzichten, ist größer als man denkt. Dem Untergang sind diese nicht geweiht, im Gegenteil.
  22. Kommentare sind wie Emails: Erwartungshaltung der Leser und Kommentierenden
    Kommentare gleichen Emails. Erwartet wird stets eine Antwort, umgehend und ausführlich zudem. Kommt man beidem nicht nach, wirkt sich das kritisch aufs Blog-Klima aus.
  23. Kommentare können Leser auch massiv abschrecken
    Zu selten wird bedacht, daß der Schuß auch gewaltig nach hinten losgehen kann, wenn man Kommentare zuläßt. Leser, Stammleser wie potentieller Neuleser, kann man prächtig vergraulen unter Zuhilfenahme von Kommentaren. Die Ratio dahinter ist einfach. Der Ton macht die Musik, und je nachdem, wessen Lied in den Kommentaren geträllert wird, folgt auch das entsprechende Publikum. Ein freundliches Umfeld im Kommentarbereich zu erzeugen und zu erhalten ist eine Kunst und keine Selbstverständlichkeit.
  24. Ständige Kontrolle erforderlich, einem Forum im kleinen vergleichbar mit dem Blogger in Personalunion als Moderator
    Ob man es rechtlich besieht, oder Kommentare lediglich als Hintergrundstimme und Grundton eines Blogs begreift, in jedem Falle ist man als Blogger und Hausherr verantwortlich für die Äußerungen respektive die Stimmung in den Kommentaren. So wird aus einem Blogger ein Moderator, der sich schlimmstenfalls stets mit einem Bein in der Abmahnfalle befindet, oder, günstigstenfalls, muß man lediglich für eine nach außen hin sichtbar gute Stimmung sorgen, die Leser zum Verweilen motiviert.
  25. Wordpress ist technisch unzulänglich ausgestattet zur Verwaltung von Kommentaren
    Heutigen Anforderungen an das Kommentaraufkommen als auch das Verhalten der Kommentatoren ist insbesondere die sehr populäre Blog-Software Wordpress nicht gewachsen. Administrierung als auch Komfort der Kommentar-Funktionen für Kommentierende und Blogger sind unzulänglich und erst rudimentär entwickelt. Plugins bemühen sich bisweilen die Symptome der mißlichen Gebrauchsnachteile zu lindern. Wirksame Abhilfe leisten sie jedoch nicht und kompensieren diese technisch-administrative Lücke nur unzureichend. Folge: abseits der Trolle muß man sich auch noch mit den technischen Unzulänglichkeiten der Blog-Software herumplagen.
  26. Kommentar-Bereich ist kein Forum
    Schon häufiger klang es an, drum sei es nun mehr ausdrücklich ausgesprochen. Der Kommentar-Bereich ist kein Ersatz-Forum.
  27. Wer A sagt, muß auch B sagen: bloggen statt moderieren
    Grundsätzlich sollte man sich darüber im klaren sein, daß man mit freigegebener Kommentarfunktion gleichzeitig auch zum Moderator wird.
  28. Moderatoren erwecken stets Unbehagen
    Moderatoren werden unablässig mißtrauisch beäugt. Unter den Kommentierenden wird es immer wieder jemanden geben, der sich als Richter über Meinungsfreiheit und Zensur aufspielt und laut in den Kommentaren laut aufjault. Warum? Unter dem Eindruck des Weltschmerzes namens Zensur weiß der Wächter über die Meinungsfreiheit beharrlich über Mißstände zu berichten, die das Ende der Welt bedeuten. Zensur ist seine Lieblingsvokabel, und Diskussionen hierüber sind seine Leidenschaft, schließlich ist der wackere Kempe ein wahrhaftiger Streiter für eine bessere Welt, die zu beseitigen hilft, wer vermeintlich zensiert. Aus eine banalen Sache wie dem Hausrecht wird sogleich das Label Zensur ausgebreitet. Unter Geeks ist das die Höchststrafe. Wer zensiert haßt Linux, und wer Linux haßt der mag Microsoft und wer Microsoft mag, haßt Linux, und wer Linux haßt…
  29. Kommunikationsbarrieren und Mißverständnisse
    Selten sind Menschen einer Meinung. Kontroversen im Internet auszufechten, gelingt selten, ohne daß bald der eine, bald der andere auch mal kräftiger austeilt. Flames und hitzige Diskussionen sind nicht selten an der Tagesordnung, gerade weil viele Personen gewillt sind, gewisse Mindestanforderungen an den Anstand bereitwillig fahrenzulassen, um Dampf bzw. Druck abzulassen oder auch weil es bei manchen zu mehr nicht reicht.
  30. Dilemma-Paradoxon
    Wer Arschlöcher und Trolle aussperren will, fängt sich gerade von diesen die Zensur-Klatsche ein. Charakteristikum der Arschlöcher ist gerade, daß diese keine Einsicht in ihr wenig charmantes Auftreten und vor allem nicht erwünschtes Verhalten haben. Wer Beleidigungen löscht, ist ein Feind der Meinungsfreiheit und zensiert. Aua!
  31. Kommunizieren geht besser ohne Kommentare
    Fördern und aufrechterhalten kann man Diskussionen um ein Thema oder Gegenstand gerade durch die Verlagerung der Diskussion in unterschiedliche Blogs selbst. Besser gehört und größere Aufmerksamkeit erfahren Diskussionen gerade dann, wenn sich ihrer viele annehmen. Aus diesem Grunde halte ich gerade umfangreiche Kommentare für Perlen vor die Säue geworfen. Kluge Blogger greifen Themen in ihrem Blog auf. Anheften an einen Artikel eines Blogs, der keine Kommentare unterstützt kann man sich stets durch Verlinkung.
  32. Flames oder das Umleitungsschild für Arschlöcher und Trolle
    Für den Fall, daß weniger kluge sich eines Themas bemächtigen, daß Du angestoßen hast, so bleibt einem wenigstens Unflat erspart. Gleich und gleich gesellt sich gerne. Tummelplatz der Trolle wird fortan nie wieder Dein Blog sein, sondern andere, die über Dich und Deine Schritte als Blogger mit Argusaugen wachen. Flames gedeihen dort, wo Sauerstoff vorhanden ist. Entzieht man einem Feuer diesen, erlischt es von selbst.
  33. Leserbriefe-Analogie
    Man stelle sich vor, daß in Print-Medien fortan unter jedem Artikel Kommentare erscheinen. Der Gedanke mutet grotesk an. Jeder kann seine Meinung veröffentlichen, aber eben in seiner Postille.
  34. Kommentar-Richtlinien und Policys
    Mittels allgemeiner Richtlinien zum Kommentieren kann man Regeln vorgeben und Grundsätze verkörpern, die gelten und eingehalten werden sollen, so man denn als Kommentator gedenkt, in die Tasten hauen zu wollen. Vermeiden kann man durch diese Bestimmungen die Auswüchse der Trollerei und des Arschlochtums mitnichten; jedoch erreicht man damit, daß niemand behaupten kann, er habe nicht gewußt, was mit einem Kommentar passiere, der nur Schimpfwörter und unwahre Aussagen enthalte.
  35. Pflicht zur Antwort
    Alleine die Höflichkeit gebietet es, auf konstruktive Kommentare zu antworten. Gerade ich gestehe gerne ein, daß ich nicht immer der beflissenste in dieser Hinsicht war.

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